Diese Website verwendet Cookies.
Skip to main content

Wossidlo-Archiv retten – Volkskundliche Forschung braucht Personal

Mit kaum einer kulturpolitischen Angelegenheit ist die Landesregierung in jüngster Zeit derart in die Offensive gegangen wie mit ihrem Heimatprogramm. In der Zielvereinbarung mit der Universität Rostock ist unter anderem die Rede von Heimatbildung an den Universitäten. Wissenschaftlich vertreten wird dieses Bildungsziel vom Wossidlo-Archiv in Rostock, das von Studierenden aufgrund seines Lehrangebotes zur Regionalgeschichte stark nachgefragt wird, als Einrichtung hohes Ansehen besitzt und auch viele Drittmittel einwirbt. Ab 2020 soll nun ausgerechnet hier die einzige wissenschaftliche Planstelle im Bereich Volkskunde wegfallen. Für die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Eva-Maria Kröger, und den hochschulpolitischen Sprecher der Linksfraktion, Karsten Kolbe, ist dieses Vorhaben ein Skandal, es muss verhindert werden. 

„Wenn es darum geht, sich mit den Themen Heimatpflege und Heimatgeschichte zu schmücken, sind SPD und CDU zur Stelle. Tatsächlich unternimmt Rot-Schwarz nichts, um die renommierte Forschungsstelle zu schützen und auf die Einhaltung ihrer eigenen Zielvereinbarung zu achten. Es genügt eben nicht, Niederdeutsch als Abiturfach anzupreisen, irgendwoher müssen die zukünftigen Lehrkräfte für dieses Fach ja auch ihr regionalkundliches Wissen beziehen“, erklärt Eva-Maria Kröger.

Karsten Kolbe: „Das Wossidlo-Archiv ist das wissenschaftliche Bindeglied zwischen der volkskundlichen Forschung, den volkskundlichen Museen und Heimatstuben, zur Kulturlandschaftsforschung, den Heimat- und Ortsvereinen sowie deren Dachorgan, dem Heimatverband M-V. Ohne wissenschaftliche Betreuung ist dieses Bindeglied akut gefährdet und damit die gesamte Regionalkulturforschung. Auch angesichts aktueller politischer Entwicklungen ist es ein fatales Signal, wenn einer universitären Einrichtung, die Kulturunterschiede ebenso wie das daraus resultierende Konfliktpotenzial Rassismus, Nationalismus und Heimattümelei untersucht, einfach sang- und klanglos das wissenschaftliche Personal genommen wird.“

Die Linksfraktion kündigt an, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Bildungsausschusses des Landtages setzen zu lassen, damit Kulturministerin Birgit Hesse über die Zukunft des Wossidlo-Archivs informiert.